Frauen und Geld

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Frauen und Geld in der Schweiz

Warum jede Frau sich mit ihren Finanzen befassen sollte

Der erste Blogeintrag scheint mir der schwierigste zu sein. Ich wollte einen Einstieg wählen, der erklärt, warum es so wichtig ist, dass gerade Frauen ihre Finanzen kennen und besser verwalten. Warum ist es in der Schweiz nicht üblich über Geld zu sprechen? Warum gehen die meisten Frauen sorgsamer mit Geld um, der Mann verwaltet aber die langfristigen Anlagen? Wie sieht es mit der finanziellen Lage der Frauen in der Schweiz nach der Pensionierung aus, unabhängig davon, ob sie geschieden oder verheiratet ist?

Viele dieser Fragen sind fast schon philosophisch und gesellschaftskritisch. Wie viele deiner Freundinnen kennen ihre genaue Finanzsituation? Wie viele verwalten ihre langfristigen Geldanlagen selber? Wie viele schütteln nur den Kopf und sagen, dass das ihr Partner macht? Viele Frauen in der Schweiz sind ein Teil ihres Lebens nicht Vollzeit berufstätig und fallen ab diesem Zeitpunkt in eine finanzielle Abhängigkeit von ihrem Ehemann. Die Pensionskasse wird so in den meisten Fällen weniger gefüttert als die des Ehemanns. Fast die Hälfte aller Ehen in der Schweiz wird geschieden. Wenn man sich nun diese Dinge überlegt, merkt man, dass viele Frauen sich früher oder später in einer schwierigen Situation wiederfinden werden. Denn dann kommen die einschneidenden Lebensveränderungen: Man lässt sich scheiden oder der Ehegatte stirbt, man hatte jahrelang keine Kontrolle über die Finanzen und weiss nun gar nicht so genau, ob den nun Geld da ist und im besten Fall, wenn ja, wohin damit?

Während sich gemäss internationalen Studien Frauen im Umgang mit Geld bei alltäglichen Dingen gleich sicher fühlen wie Männer, trauen es sich nur die wenigsten Frau zu, zu investieren. Weit mehr als die Hälfte aller Frauen überlässt die Finanzplanung ihrem Partner und mehr als die Hälfte der geschiedenen oder verwitweten Frauen erlebt eine finanzielle Überraschung. Gemäss einer Studie der UBS überlassen 7 von 10 in einer Partnerschaft lebende Schweizer Frauen die Finanzplanung dem Partner.

Sich mit dem Thema Finanzen und Vermögen zu befassen, heisst nicht, dass du sofort investieren sollst. Es ist wichtig, dass du das Thema verstehst und so viele Informationen wie möglich hast. Deshalb ist das hier nur der Start. Du findest viele weitere Artikel und das Internet ist voll mit Tipps. Sei dir auch bewusst, dass nur du die Verantwortung für deine Finanzen trägst. Schätze das Risiko gut ab und überlege dir, mit wie viel Risiko du dich wohl fühlst.

Ich möchte aber auch betonen, dass das Thema viel einfacher ist, als man denkt. Es braucht Zeit und Wille aber jede Frau kann erfolgreich investieren.

Dem Investieren hängt auch nach, dass es sowieso nur für Reiche ist und viel Risiko birgt. Beides ist nicht wahr. Es lohnt sich, schon kleine Beträge anzulegen und das Risiko kann man zwar nicht komplett eliminieren aber stark reduzieren. Oft sind die die am lautesten Rufen, dass alles mit Börse nur Hokuspokus ist, die die kein Wissen darüber haben.

Altersarmut für Frauen in der Schweiz

Die UBS hat 2018 eine weitere Studie gemacht. Das Thema hier war Altersarmut. Die AHV und Pensionskasse zusammen sollten eigentlich 60% des vorherigen Einkommens garantieren. Auf den ersten Blick sieht es für die Frauen nicht schlecht aus. Sie zahlen weniger in die AHV ein, erhalten denselben Pensionskassen-Umwandlungssatz wie Männer und erhalten mehr aus der AHV ausbezahlt. Letzteres obwohl Frauen weniger lang arbeiten, dies ist mehrheitlich, weil Frauen länger leben als Männer.

Auf den zweiten Blick sieht es nicht mehr so gut aus. Vier von zehn Frauen in der Schweiz arbeiten gemäss dem Bundesamt für Statistik in einem Teilzeitpensum. Drei davon arbeiten unter 50 Prozent. Besonders die in Teilzeit beschäftigten Frauen hätten weit tiefere Renten, sagt die Studie. Viele betroffene Frauen erhalten wegen der Lohn-Einbussen nicht die maximale AHV-Rente, sofern sie nicht mit einem voll berufstätigen Mann verheiratet sind. Laut der Studie beziehen Frauen generell kleinere Renten als Männer. Erwerbspausen wegen Mutterschaft und darauffolgende Teilzeitpensen können mit den bestehenden Begünstigungen nicht wett gemacht werden.

Diese Ausfälle können nur mit der 3. Säule kompensiert werden oder mit anderweitig angelegtem Geld. Die oben aufgezeigten Zahlen sollen deutlich machen, dass es als Frau wichtig ist, für das Alter vorzusorgen.

Gemäss der SwissLife ist der Unterschied bei der Rente zwischen Mann und Frau in der Schweiz 37%! Zu diesem Fakt führt die SwissLife sieben Gründe auf. Neben den bereits gehörten wie längeres Leben, Teilzeitarbeit, frühere Pension kommen noch tiefere Löhne, keine Berufstätigkeit oder Minijobs und geringeres Finanzwissen hinzu! Viele der aufgeführten Gründe sind systembedingt und können von uns nicht direkt beeinflusst werden. Das Finanzwissen jedoch kann jede Frau erwerben. Es braucht nur etwas Zeit, Wille und Information.

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Finanzielle Unabhängigkeit für Frauen

Über Geld zu sprechen, gehört für Schweizer nicht zum Alltag. Die Frage nach dem Lohn, ist viel zu privat – auch wenn davon am Ende die Arbeitgeber am meisten profitieren. Gespräche über Altersvorsorge und Finanzen sind zu langweilig bei einem Abend mit Freunden und auch in Beziehungen werden diese Themen weitgehend totgeschwiegen. Die Leidtragenden sind in am Ende in vielen Fällen die Frauen. Denn tatsächlich verlassen sich viel zu viele auf ihren Partner, wenn es ums Geld geht.

Ein Mann ist keine Altersvorsorge! Klingt simpel und selbstverständlich aber wie wir nun wissen, verwaltet in den meisten Beziehungen der Mann die langfristigen Anlagen. Dabei ist es nicht schwierig, sich über Finanzen zu informieren. Es braucht dazu auch keine Berater, die mehr oder weniger unabhängig ihre Produkte verkaufen. Hier möchte ich ein kurzes «Achtung» einschieben. Bitte vergesst nicht, dass die Finanz- und Versicherungsbranche stark von Provisionen gesteuert ist. Euer Bankberater wird euch wahrscheinlich keinen ETF vorschlagen, weil er daran weniger verdient!

Eine gute Grundlage, um mit der finanziellen Freiheit zu starten ist, sich sehr gut zu Informieren. Wissen ist heutzutage frei zugänglich. Es gibt unzählige YouTube-Videos, Podcasts und Blogs. Bauchgefühl und Mut, die eigene Komfortzone zu verlassen, helfen ebenfalls. Du darfst keine Wunder erwarten. Mit Finanzen ist ungefähr so, wie eine neue Sprache zu lernen. Das ist am Anfang schwierig und nicht nach drei Wörtern erledigt. Nimm dir Zeit und versuche, deine Hintergründe zu verstehen. Setze dir Ziele und starte mit der Umsetzung. Mir hat es sogar angefangen Spass zu machen!

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