Ehe oder Konkubinat – was muss ich wissen?

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Was du übers Heiraten oder ein Konkubinat wissen musst!

Mit einer Ehe wird vieles automatisch geregelt. Auf dem Standesamt unterschreibst du einen Vertrag, der viele rechtliche Konsequenzen nach sich zieht. Einige können mit einem Ehevertrag beeinflusst werden, andere sind nicht änderbar. Bei einem Konkubinat liegt dagegen einiges in der eigenen Verantwortung. Das musst du Wissen:

Was ist ein Konkubinat überhaupt?

Als Konkubinat wird die Form des Zusammenlebens bezeichnet, bei der man als Paar zusammenwohnt und sein Leben teilt. Obwohl man vom Gefühl her keinen Unterscheid zu einer Ehe hat/haben muss, ist das Gesetzt eindeutig. Ein Konkubinat ist keine Ehe!

Während man im Alltag viele Dinge selbst gestalten kann und bei beiden Formen des Zusammenlebens selbst definiert, ob man getrennte Konten hat und wie man mit den laufenden gemeinsamen Kosten umgeht, gibt das Gesetz einige Punkte vor, die die Ehe und das Konkubinat unterscheiden.

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Altersvorsorge im Konkubinat oder der Ehe

Das schweizerische Altersvorsorgysstem ist nicht auf Konkubinate ausgerichtet. In der 1. Säule können Konkubinatspaare nicht auf gegenseitige Leistungen zählen, etwa beim Tod des Partners. Es gibt keine Witwenrente. Allerdings bekommen Kinder eine Waisenrente, da aussereheliche Kinder ehelichen Kindern gleichgestellt sind.

Ob in der 2. Säule im Todesfall Leistungen an den/die verbliebene Partner:in ausbezahlt werden, hängt sehr stark vom Reglement der Pensionskasse ab. Die Bedingungen für eine Witwenrente, müssen im Detail bei der eigenen Pensionskasse geprüft werden.

Tipp: Dies unbedingt machen, es lohnt sich!

Auch in der 3. Säule muss abgeklärt werden, was für Bedingungen es für die Begünstigung der Konkubinatspartner:in gibt.

Im Falle einer Trennung erhalten die Konkubinatspartner nichts aus dem angesparten Altersvermögen des Partners. Dies ist bei verheirateten Paaren anders.

Die Nachteile des Konkubinats:

Die Nachteile des Konkubinats bekommen die Konkubinatspaare meist erst später zu spüren. Am Anfang ist ein Konkubinat die logische und auch einfachste Lebensform. Während das Leben sich entwickelt, können aber auch Situationen auftreten, in denen ein Konkubinat Nachteile bringt. Beispielsweise wenn

  • Kinder involviert sind
  • einer Konkubinatsteil Teilzeit arbeitet
  • man sich trennt
  • der/die Konkubinatspartner:in verstirbt
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Erbschaft im Konkubinat

Ein unangenehmes Thema aber für Konkubinatspartner besonders wichtig! Das Schweizer Erbschaftsgesetz sieht ein Konkubinat nicht vor. Das heisst, dass der/die Hinterbliebene ohne Testament leer ausgeht! Eine Begünstigung im Testament ist aufgrund der Ansprüche von pflichtteilsberechtigten Familienmitgliedern nicht immer vollumfänglich möglich. Besonders heikel wird das Thema, wenn Wohneigentum vorhanden ist. Deshalb gilt es hier, unbedingt eine Fachperson zu konsultieren.

In einer Ehe steht der/die Ehepartner:in immer an erster Stelle. Das Gesetz sieht sie/ihn als gesetzlichen Erbe und man hat Anspruch auf einen Pflichtanteil.

Es kann sich auszahlen, beim Arbeitgeber oder direkt bei der Pensionskasse nach den genauen Bedingungen der Altersvorsorge zu fragen. Spare auch privat auf deinen Namen vor und lasse dir auch dort die Bedingungen im Falle eines Konkubinats erklären.

Der Konkubinatsvertrag – das regelt er

Gerade wenn ein Teil des Konkubinats für die Familie das Arbeitspensum reduziert, hat das langfristig grosse Konsequenzen. Hier lohnt sich ein Konkubinatsvertrag, der regelt, wie die Parteien im Falle einer Trennung geschützt sind.

Rechtlich gesehen kann ein Konkubinat jederzeit formlos aufgelöst werden, das heisst, man kann sich jederzeit trennen. Die beiden Parteien sind für diesen Fall gesetzlich nicht abgesichert. Ein Konkubinatsvertrag kann im Vorfeld wichtige Punkte regeln.

Unser Gesetz ist in der Schweiz nicht immer auf dem neusten Stand. Gerade in diesem Bereich, gibt es viele Lebensformen, die zwischen Stuhl und Bank fallen und im Gesetz einfach nicht bedacht sind. Es gibt viele Patchworkfamilien oder die Partner:innen kümmern sich gleichmässig um die Kinder und um den Haushalt. Andere senken oder erhöhen ihr Arbeitspensum in bestimmten Lebensphasen und ändern dies später wieder. Hier lohnt es sich, frühzeitig genau hinzuschauen um Sicherheit, Schutz und Vermögen bis ins hohe Alter zu gewährleisten.

Vorteile des Konkubinats

Im Konkubinat erhält man aus der 1. Säule zwei Einzelrenten von maximal je CHF 2’390. Verheiratete bekommen hingegen eine gemeinsame Rente. Im Maximum sind dies CHF 3’585.- (150 Prozent). Dies wird begründet, dass ein Paar tiefere Fixkosten hat als alleinstehende Personen.

Ausserdem werden Konkubinatspaare einzeln besteuert. Bei Verheirateten werden die Einkommen zusammengezählt. So wird das Einkommen aus steuerlicher Sicht höher und die Steuerprogression schlägt zu. Man spricht auch von der Heiratsstrafe.

Natürlich gibt es noch viele weitere Punkte, die ein Konkubinat von einer Ehe unterscheiden. In diesem Beitrag soll es aber um die finanziellen Aspekte gehen.

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Scheidung oder Trennung in Ehe oder Konkubinat

In einer Ehe entscheidet der gewählte Güterstand darüber, wie das gemeinsame Vermögen bei einer Scheidung aufgeteilt wird. Wurde kein Ehevertrag abgeschlossen, so gilt in der Schweiz die Errungenschaftsbeteiligung. Das heisst, dass das während der Ehe gemeinsam erarbeitete Vermögen je zur Hälfte aufgeteilt wird. Dazu gehört auch, dass für die Altersvorsorge die Pensionskasse und die AHV gesplittet werden. Davon ausgenommen ist Vermögen inklusive Zinsen, dass vor der Ehe angespart wurde.

Trennt man sich im Konkubinat gibt es keine vorgesehenen Regelungen. Es ist dem Paar überlassen, wie es die Finanzen aufteilt. Die Altersvorsorge der beiden Parteien bleibt bei einer Trennung unberührt.

Ehe oder Konkubinat? Was ist besser?

Beide Lebensformen haben ihre Vor- und Nachteile. Während beim Konkubinat Steuern gespart werden können, wird die Altersvorsorge etwas komplizierter und auch das Schweizer Erbrecht sieht ein Konkubinat nicht vor. Somit ist ein Konkubinat ein erheblicher Mehraufwand, da (gerade bei Wohneigentum) ein Testament erstellt werden sollte und die Altersvorsorge im Detail abgeklärt werden muss. Verheiratete Paare sind finanziell besser abgesichert. Jedoch ist auch das Eherecht nicht auf die heutigen Lebensumstände ausgerichtet. Auch hier gilt es im Einzelfall genau hinzuschauen und vorzusorgen.

Fazit: Ein Ehe- oder Konkubinatsvertrag kann sich lohnen. Am besten spricht man so früh wie möglich über dieses Thema und klärt mit den involvierten Stellen (Pensionskasse, Banken, Notar, etc.) ab, was benötigt wird. So ein Thema ist zwar unangenehm und mit Aufwand verbunden, jedoch ist es in guten Zeiten einfacher zu regeln als wenn man bereits in einer Beziehungskrise steckt.

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