Die Ausschüttungsart von ETFs

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Was ist der Unterschied zwischen thesaurierenden und ausschüttenden ETFs?

Ausschüttend oder thesaurierend – was bedeutet das?

Als Anlegerin hast du die Wahl zwischen ETFs, die die regelmässigen Erträge aus Aktienanlagen (mehrheitlich Dividenden) auszahlen und solchen ETFs, die Erträge automatisch wieder anlegen. ETFs werden so in zwei Kategorien aufgeteilt: Ausschüttende (auf Englisch: Distributing) und thesaurierende (auf Englisch Accumulating) ETFs.

Die Wahl, wie dein gewählter ETF mit Auszahlungen umgeht, ist ein wichtiges Kriterium bei der Suche nach einem geeigneten ETF.

Was sind die Vor- und Nachteile von ausschüttenden ETFs?

Dividendenerträge werden gemacht, wenn im Index enthaltene Unternehmen Teile ihrer Gewinne auszahlen. Bei ausschüttenden ETFs sammelt der ETF die ausgeschütteten Dividenden und zahlt sie regelmässig (oft quartalsweise) aus.

Mit breiten weltweiten Indizes auf Standardwerte (z.B. MSCI World) kannst du Ausschüttungsrenditen von rund 2 Prozent erwirtschaften. Bei spezielleren Märkten liegen die Ausschüttungen teils darüber. So kannst du Dividenden-ETFs als Möglichkeit für passives Einkommen nutzen.

Die Quellensteuer wird bei diesen Ausschüttungen fällig. Deshalb auf das Domizilland des ETFs achten. Irland eignet sich gut, da dieses Land viele Steuerabkommen hat und so oftmals wenig Quellensteuer an andere Länder bezahlen muss. Dies geschieht alles automatisch, du bemerkst nichts davon und erhältst einfach den finalen Betrag ausbezahlt.

Was sind die Vor- und Nachteile von thesaurierenden ETFs?

Wenn du regelmässig oder einen grossen Betrag für eine länger Zeit anlegen willst, sind thesaurierende ETFs die richtige Wahl. Hier werden die Erträge entsprechend der Indexzusammensetzung automatisch im ETF reinvestiert und nicht an dich ausbezahlt. Du musst dich also nicht um die Wiederanlage der Erträge kümmern. So nutzt du den Zinseszinseffekt für dich – ohne weitere Brokergebühren beim Kauf von neuen Wertpapieren. Wenn du dich nach dem Kauf eines ETF wirklich nicht weiter um deine Geldangelegenheiten kümmern willst, ist ein thesaurierender ETF eine gute Wahl.

Steuern werden auch auf thesaurierende ETFs fällig, deshalb ist auch hier Irland oder allenfalls Luxemburg als Domizil des ETFs eine gute Wahl.

Wie finde ich heraus, ob ein ETF ausschüttend oder thesaurierend ist?

Ob ein ETF ausschüttend oder thesaurierend ist, findest du im Fact-Sheet des entsprechenden Produktes. Dieses findest du unter justetf.com/ch oder im ETF-Bereich der Börse SIX Swiss Exchange (Segment ETFs & Funds). Von manchen ETFs gibt es auch beide Varianten. Der Name des ETFs gibt ebenfalls einen Hinweis. Steht da ein “Acc” bedeutet dies, dass der ETF thesaurierend ist (accumulating). Steht ein “distr” in Namen, ist der ETF ausschüttend (distributing).

Selma Finance

Soll ich nun einen ausschüttenden oder einen thesaurierenden ETF wählen?

Laut dem ETF-Guru schlechthin, Gerd Kommer, ist beim Entscheid für einen ausschüttenden oder einen thesaurierenden ETF wichtig, ob du dich in der Anspar- oder der Entsparphase befindest. In der Ansparphase sorgst du für das Alter vor und baust dafür Vermögen auf. Die Entsparphase dagegen ist die Zeit nach der Pensionierung, wenn das während der Berufstätigkeit angesparte Vermögen dazu genutzt wird, die Rente aufzubessern.

In der Ansparphase ist es sinnvoll, thesaurierende ETFs zu wählen. Bei thesaurierenden ETFs profitierst du vom Zinseszinseffekt, da die Erträge automatisch reinvestiert werden und du nicht auf das Geld angewiesen bist.

Wenn du aber die regelmässigen Ausschüttungen für deinen Lebensunterhalt verwenden möchtest, ist ein ausschüttender ETF besser. Zu diesen Personen zählen die Rentner in der Entsparphase und Anleger, die die Ausschüttungen für Konsumausgaben verwenden möchten.

Was für ETFs habe ich?

Ich habe mir beide Varianten ins Depot gelegt. Warum? Weil in gewissen Branchen praktisch keine Dividenden ausbezahlt werden. Bei anderen wollte ich den regelmässigen Geldfluss, damit ich selber entscheiden kann, wie ich das Geld wieder investiere. Man könnte aber natürlich auch das Netflix-Abo davon bezahlen 😉

Mehr Informationen zur Auswahl eines ETFs

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Marco

    Hallo Angela. Bin beim durchstöbern des Netzes nach neuen Inputs auf deiner Seite hängen geblieben. Ich finde es super, dass du finanzielle Bildung für Frauen betreibst. Ich als Mann finde deine Seite auch sehr informativ und lehrreich.
    Ich setzte mit meinen ETFs (MSCI World und Emerging Markets) auf eine langen Anlagehorizont, deshalb habe ich nur thesaurierende im Portfolio.
    Gruss Marco

    1. Angela

      Hallo Marco

      Vielen Dank für dein Feedback, das freut mich sehr! Die Themen sind ja für alle gleich, wichtig ist, dass man und frau sich damit auseinandersetzen! 🙂

      Liebe Grüsse
      Angela

  2. Bianca

    Hallo Angela! In welchem Bereich bewegen sich die regelmässigen Ausschüttungen? Ich würde diese gerne nutzen, um mein Gehalt aufzustocken. Insbesondere, weil ich gerne mein Pensum reduzieren will, jedoch ohne grosse finanzielle Einbussen. Ein “Vermögen” damit zu scheffeln wäre also nicht mein Ziel, aber cool wäre es schon, wenn die Dividenden mehr als mein Netflix-Abo abdecken würden 😉
    Ich habe noch keine Familie, also wäre eigentlich eine Vorsorge fürs Alter besser. Aber ein bisschen möchte ich mein Leben auch noch in jungen Jahren geniessen 😀 Denke also, ich tendiere zu deinem Plan mit zwei Varianten 🙂

    1. Angela

      Hallo Bianca
      Das ist sehr stark vom gewählten ETF und natürlich von der von dir investierten Summe abhängig. Im Factsheet des ETFs siehst du die Prozentzahl. Grundsätzlich bewegt es sich in einem ähnlichen Rahmen wie die Dividenden der Unternehmen (daher kommen ja auch die Ausschüttungen). Ganz grob gesagt zwischen 1-3% auch abhängig davon, ob die Unternehmen tatsächlich Dividenden bezahlen. In einer Krise können diese ja gekürzt oder gestrichen werden.
      Das mit den zwei Strategien kann gut funktionieren. Für die Vorsorge gibt es ja die 3a. Zusätzlich kannst du ein Investmentkonto haben, bei dem du eine andere Strategie fährst. Wenn du mehr als nur für die 3a fürs Alter sparen möchtest, würden sich sogar 3 Depots anbieten.
      Liebe Grüsse
      Angela

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