Warum ein ETF auf den SMI gefährlich ist!

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Mit einem ETF die Schweiz abdecken

Grundsätzlich ist es eine schöne Idee: Die Schweiz mit einem ETF auf den SMI im Depot übergewichten. Wir wissen, dass die klassischen Portfolios aus zwei ETFs bestehen: 70% auf die entwickelten Länder (MSCI World) und 30% auf die Schwellenländer (MSCI Emerging Markets). Die Schweiz hat tolle Unternehmen, warum nicht einfach zusätzlich einen ETF auf den SMI ins Portfolio aufnehmen und an der florierenden Schweizer Wirtschaft teilnehmen und vom starken Schweizer Franken profitieren?

Das Problem mit dem ETF auf den SMI

Es gibt da einen Haken beim SMI, der sich auf jeden ETF auswirkt. Der SMI umfasst nur 20 Titel, was schon relativ wenig ist. Zusätzlich kommt hinzu, dass die drei grössten Titel zusammen schon rund 50% ausmachen. Nimmt man die 5 grössten Unternehmen, sind wir schon bei 70%! Das heisst, wenn du dir einen ETF auf den SMI kaufst, sind 50% der beinhalteten Aktien von Nestle, Roche und Novartis, sowie 50% Aktien der anderen 17 Unternehmen. Dies führt zu einem Klumpenrisiko und ist keine gute Diversifikation. Kursschwankungen der drei grössten Titel haben eine starke Auswirkung auf den Index und somit auf den ETF.

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Ein Schweizer ETF: Der SPI als bessere Wahl?

Es sind echte Perlen im SMI und der Schweizer Franken ist eine tolle Währung! Wie kannst du dann trotzdem dem oben beschriebenen Klumpenrisiko mit einem ETF die Schweiz abdecken? Mit einem ETF auf den SPI! Der SPI ist der Swiss Performance Index und die kleine Schwester vom SMI. Der SPI ist der am zweitmeisten beachtete Schweizer Index und umfasst 213 Unternehmen. Darunter sind weitere, etwas kleinere Qualitätsunternehmen, über die sich jedes Portfolio freuen kann. Alleine durch die Anzahl an Unternehmen reduziert sich das Risiko und stellt dein Portfolio breiter auf. Da aber ein Index immer der Marktkapitalisierung im Land folgt, bleiben Nestle, Roche und Novartis die Schwergewichte.

Meine Lieblinge aus dem SPI sind Emmi, Logitech und Lindt! Es sind aber auch weitere tolle Unternehmen dabei: verschiedene Kantonalbanken, Calida, Ems Chemie, Kühne + Nagel, Allreal, Straumann oder Schindler.

Fazit: Wenn du einen ETF für die Schweiz willst, schau dir den SPI an anstatt den SMI! Er ist grösser und hat mehr Unternehmen, was zu einer breiteren Streuung führt.

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Eine noch bessere Alternative: Der unbekannte SLI

Der SLI Index wird weitaus weniger in den Medien erwähnt, ist jedoch die echte Alternative zum SMI. Der SLI umfasst die 30 grössten Schweizer Unternehmen. Die Gewichtung der Titel ist jedoch limitiert. Kein Unternehmen darf einen Anteil von mehr als 10% haben. Alle Unternehmen, die eine Gewichtung von mehr als 5% haben, dürfen zusammen nicht mehr als 40% der Gesamtgewichtung ausmachen. Durch diese Reduktion der grössten Titel erhöht sich das Gewicht der kleineren Unternehmen und somit die Diversifizierung.

Ein ETF auf den SLI umfasst somit die grössten Schweizer Unternehmen, ohne die Grossen übermächtig zu machen.

Fazit: Wenn du nur die allerbesten Schweizer Unternehmen im Depot haben aber Klumpenrisiko vermeiden möchtest, dann ist der SLI die beste Wahl.

Schweizer ETFs gibt’s auch nachhaltig

Wenn du nur die nachhaltigen Schweizer Unternehmen im Depot möchtest, kannst du dir einen ETF auf den SPI ESG anschauen. Dieser Index wurde erst im Frühling 2021 lanciert. Er schliesst Unternehmen mit einem ESG Impact Rating tiefer als C+ aus. Insgesamt sind das 72 Firmen. Zusätzlich werden Unternehmen kategorisch ausgeschlossen, die mehr als 5% ihres Umsatzes in einem kritischen Sektor erwirtschaften (u.a. Alkohol, Verteidigung, Glücksspiel, Gentechnologie, Kernenergie, Kohle und Tabak). Grundsätzlich nicht investiert wird in Unternehmen, die vom Schweizer Verein für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen (SVVK) zum Ausschluss empfohlen werden. Es verbleiben 139 Unternehmen, die alle Kriterien erfüllen.

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Wie viel Schweiz gehört in dein Portfolio?

Zu guter Letzt noch ein paar Gedanken, ob den die Schweiz wirklich stärker vertreten sein soll in deinem Depot. Die Wirtschaft in der Schweiz läuft oftmals auch in Krisenzeiten besser als in anderen Ländern und wir haben den starken Schweizer Franken!

Starke Schweiz in der Pensionskasse

Es gibt aber auch zwei andere Punkte, die du beachten solltest, bevor du dir einen ETF auf die Schweiz ins Depot holst. Zum einen ist es so, dass Schweizer Unternehmen in der Pensionskasse sehr stark vertreten sind. Dies ist gesetzlich so geregelt. Das heisst, dass deine Pensionskasse dein Geld mit einem starken Fokus auf den Schweizer Markt anlegt. Da das Geld in der Pensionskasse zu deinem persönlichen Vermögen zählt, bist du dort ordentlich in Schweizer Aktien investiert.

Ein ETF auf den SMI wegen der home bias?

Und zum anderen gibt es den sogenannten home bias. Gemäss Wikipidedia ist das:

Der Begriff Heimatmarktneigung bzw. Equity Home Bias Puzzle bezeichnet die Tendenz von Investoren, Geldanlagen auf dem Heimatmarkt überproportional zu gewichten.

Ein Grund dafür ist, dass man den Heimmarkt oftmals viel besser kennt. Die Unternehmen sind vertraut und man ist besser informiert, was gerade gut läuft. Dies gibt einem das Gefühl, Chance und Risiken besser abschätzen zu können. Ein weiterer Grund sind die Währungen. Der Schweizer Franken war in den letzten Jahren stark und jedes ausländische Unternehmen muss den Kursverlust, den die entsprechende Währung gegenüber dem Schweizer Franken hat, erst wieder aufholen. So scheint es logisch, dass ein Schweizer Unternehmen, dass zwar auf den ersten Blick nicht die steilste Performance hat, langfristig trotzdem die profitablere Investition ist. Pauschal kann dies nicht beantwortet werden, hier solltest du dich einfach hinterfragen, ob das Unternehmen wirklich besser ist oder ob der home bias dich so handeln lässt.

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