Raus aus den Schulden

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  • Beitrag zuletzt geändert am:April 28, 2024
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Schulden in der Schweiz

Privatschulden sind in der Schweiz weitaus häufiger als gedacht und es wird Konsumierenden sehr einfach gemacht, schnell einen Kleinkredit aufzunehmen. Auch die Werbung trägt dazu bei: Diese suggeriert, dass es normal ist für ein neues Sofa oder für Ferien einen Kleinkredit aufzunehmen. Promintente Schweizer Persönlichkeiten machen Werbung für Kleinkredite.

So wirst du Schulden in der Schweiz los

Schlägt die Schuldenfalle mal zu, ist es nicht so einfach, aus der Spirale herauszukommen. Leider ist es viel einfacher, sich zu verschulden, als die Schulden wieder loszuwerden. Die gute Nachricht: Es gibt einige Tipps und gute Schweizer Anlaufstellen.

Mit den folgenden 4 Schritten kannst du die Herausforderung anpacken.

1. Analysiere deine Schulden

In einem ersten Schritt erstellst du eine Liste mit allen Schulden, die du angesammelt hast, zusammen. Notiere, wann die Zahlung fällig gewesen wäre, wie der aktuelle Stand ist, ob du vielleicht in Raten bezahlen kannst und ob Zinsen fällig werden. Verschaffe dir so eine genaue Übersicht, damit du nicht von weiteren Rechnungen überrascht wirst.

Hier unterscheidest du auch, um was für eine Art von Schulden es sich handelt. Konsumschulden für Ferien oder ein neues Handy sind dabei die schlechtesten Schulden. Du hast das Geld bereits verkonsumiert und bezahlst nun die Raten inklusive (meist sehr hohen) Zinsen ab. Das ist ärgerlich, weil es lange dauert, es dich immer wieder einholt und du dir die Ausgabe zu dem Zeitpunkt gar nicht hättest leisten können. Schulden für eine Weiterbildungen oder fürs Studium werden dagegen als akzeptable Schulden eingestuft.

Die Abgrenzung der verschiedenen Schuldenkategorien ist nicht ganz einfach. Beispielsweise kann das Leasing eines Fahrzeugs nötig sein, wenn du es für den Arbeitsweg benötigst. Falls du dir aber einfach für den privaten Gebrauch ein schnelles Auto geleast hast, gehört diese Ausgabe definitiv in die Kategorie schlechte Schulden.

2. Erstelle einen Plan, um deine Schulden loszuwerden

Nun kannst du deine Schulden priorisieren und einen Plan erstellen, wie du diese abbezahlen kannst. Dazu empfiehlt es sich auch, Kontakt mit den verschiedenen Unternehmen aufzunehmen, bei denen du ausstehende Zahlungen hast. Es gibt Unternehmen, die kulant sind und sich auf Ratenzahlungen einlassen, wenn du proaktiv auf sie zugehst. Hier lohnt es sich, auszuprobieren und einen Plan vorzuschlagen. Natürlich gilt es danach auch, die neuen Bedingungen einzuhalten.

Falls Ratenzahlungen keine Option sind, kann beim Unternehmen angefragt werden, ob es zumindest für einen bestimmten Zeitraum auf Inkassomassnahmen oder Betreibungen verzichtet.

3. Kenne deine Ausgaben

Zum Rückzahlungsplan gehört im nächsten Schritt, dass du ein genaues Budget erstellst. So weisst du, wie viel Geld dir zur Tilgung der Schulden zur Verfügung steht. Es ist nämlich wichtig, dass der Alltag weiterhin finanziert werden kann, ansonsten droht die Gefahr, dass man schnell wieder in eine Geldnot gerät.

Damit du weisst, wie viel Geld du für welche Budgetposten ausgibst, nützt es sehr, für eine Weile ein Milchbüechli zu führen. Das klingt wenig spannend, ist aber sehr hilfreich, um deine Ausgaben zu kennen. Zusätzlich offenbaren sich oft unerwartete Kostenfresser.

Damit die Ausgaben getrackt werden können, gibt es zwei Varianten: Entweder alle Ausgaben in Bar tätigen und die Belege sammeln oder falls dir digitale Bezahlung lieber ist, alles digital bezahlen. So können alle Ausgaben aus den Kontobewegungen abgelesen werden. Abends trägst du alle Ausgaben dann mit deinen Belegen oder eben aus dem Konto in ein Notizbuch ein. Alternativ kannst du auch eine App oder Excel nutzen. Unter dem Begriff «Haushaltsbuch» gibt es im App Store verschiedene, teils kostenlose, Apps.

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Hier ein kleiner Hinweis: Sparen fällt den meisten Menschen deutlich einfacher, wenn Sie Bargeld nutzen. Bargeld macht deutlicher sichtbar, wie das Geld weniger wird.

4. Lerne aus deinen Schulden: Passe deine Ausgaben an

Beim Aufschreiben deiner Ausgaben kannst du sehr gut dein persönliches Konsumverhalten hinterfragen und analysieren. Wichtig ist, dass du hier ehrlich mit dir selbst bist. Fragen dich auch, ob du dir deinen aktuellen Lebensstandard tatsächlich leisten kannst. Das kann weh tun, ist aber ein grosser Schritt auf dem Weg schuldenfrei zu werden.

Alle unnötigen Ausgaben werden gestrichen, prüfe deine Versicherungen auf Optimierungspotenzial und vergleiche alle deine Abonnemente (auch die digitalen!).

Solltest du erwartet oder unerwartet zusätzliche Einnahmen erhalten, beispielsweise durch Erbschaft, einen Bonus oder auch den Verkauf von ungenützten Artikeln aus deinem Haushalt, dann fliesst dieses Geld direkt in die Tilgung der Schulden.

Bleibe konsequent und vermeide neue Schulden

Fast der wichtigste Punkt der ganzen Massnahmen ist, dass du den festgelegten Plan konsequent umsetzt. Meist kommt dies mit einer Änderung deiner erlernten Gewohnheiten mit Geld und ist deshalb nicht einfach. Langfristig bekommst du deine finanzielle Situation jedoch nur unter Kontrolle, wenn du deine Einnahmen und Ausgaben kennst und gut verwaltest.

Schulden vorbeugen: Dein Money Mindset ändern

Vielleicht war dir einfach nicht bewusst, dass ein Kredit für die nächsten Ferien keine gute Idee ist. Hier kommt der Money Mindset ins Spiel. Wie du über Geld nachdenkst und es handhabst wird oft in unserer frühen Kindheit geprägt. Als erwachsene Person ist es dann gar nicht so leicht, diese Gewohnheiten zu ändern. Vermeide es, unnötig Geld auszugeben, indem du dich von Versuchungen fernhältst, z. B. in dem du den Gang ins Einkaufszentrum vermeidest oder Online-Shopping-Website auf dem Computer deaktivierst. 

Setze Prioritäten und überlege dir, welche Ausgaben du verringern oder streichen kannst, um mehr Geld zur Verfügung zu haben. Halte dich an dein Budget, damit du langfristig schuldenfrei bleibst.

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Notgroschen ansparen

Ein Notgroschen ist unabdingbar, um in der Schweiz keine Schulden zu haben. Es kann immer wieder passieren, dass unerwartete Rechnungen ins Haus flattern (auch wenn es nicht oft vorkommen sollte!) oder das ein Gerät plötzlich kaputt geht, das ersetzt werden muss. Damit solche Notlagen nicht zu einer finanziellen Krise führen, ist ein Notgroschen wichtig. Dieser bildet ein finanzielle Sicherheitsnetz, das dich im Falle unerwarteter Ausgaben oder Einkommensverluste schützt. Ein ausreichender Notgroschen kann helfen, finanzielle Stresssituationen zu vermeiden und bringt dir mehr finanzielle Stabilität und Sicherheit.

Ein Notgroschen kann dir auch mehr finanzielle Freiheit geben, indem du die Möglichkeit hast, auf unerwartete Möglichkeiten oder Chancen zu reagieren, anstatt aufgrund finanzieller Engpässe eingeschränkt zu sein. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein Notgroschen ein wichtiger Bestandteil deiner Finanzen ist, da er dich vor unerwarteten Ausgaben und finanziellen Herausforderungen schützt.

Schweizer Schuldenberatung: Achtung vor schwarzen Schafen

Schulden sind komplex und oftmals ist es für Betroffene sehr schwer, sich selbst eine Übersicht über die Situation zu schaffen. Was die Lösung nicht einfacher macht, ist die Situation auf dem Schweizer Markt: Sucht man im Internet nach «Schulden abbauen Schweiz» findet man viele Kreditvermittler und Dienstleister, die nicht unabhängig sind.

Falls du nicht weiterkommst, lohnt es sich sehr, professionelle Unterstützung zu holen. Achte dabei darauf, dass du dich an eine unabhängige Fachstelle wendest, die berät, ohne Produkte zu verkaufen. Gerade wenn grössere und langanhaltende Probleme bestehen, vielleicht schon Betreibungen und Pfändungen ins Haus geflattert sind, kann sich eine professionelle Beratung auszahlen. Viele Schweizer Kantone bieten eine Anlaufstelle wie die lokale Schuldenberatung, wo du günstig oder sogar kostenlos Hilfe bekommst. Schweizweit bietet die Caritas eine kompetente Anlaufstelle an.

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