Jessica von naturally.innovative

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  • Beitrag zuletzt geändert am:Juni 30, 2022

Jessica blickt zusammen mit Unternehmen in die Zukunft

Nachhaltigkeit und Krisen als Chance für Innovation

Ich bin Jessica Schmid auf Instagram das erste Mal “begegnet”. Wir haben uns kurz ausgetauscht und ich hatte keine Ahnung, was sie genau macht. Es war sogar so abstrakt, dass wir uns auf einen Kaffee getroffen haben, damit ich herausfand, was denn dieses Design Thinking ist (siehe Box unten). Ein paar Wochen später kann ich sagen, es ist super spannend was Jessica auf die Beine stellt. Zukunftsorientiert, über den Tellerrand blickend und einfach umfassend, wie sie die Themen anpackt. Ich durfte Einblick gewinnen in eine Welt, die nicht meine ist und bin fasziniert. Im Interview mit Jessica versuchen wir beide ihr Thema einfach und verständlich zu erklären und Jessica gibt Einblick in ihren nicht ganz gewöhnliche Arbeit.

Interview mit Jessica P. Schmid von naturally.innovative

Was machst du mit deinem Unternehmen?

Ich befähige Teams und Organisationen dazu «future-ready» zu werden und Krisen als Chance für Innovation zu nutzen. Die Fragestellungen, die ich mit meinen Kunden angehe, sind:

  • Wie können unsere neuen Produkte und Dienstleistungen den veränderten Nutzerbedürfnissen bestehender oder neuer Kundengruppen Rechnung tragen?
  • Wie werden wir attraktiver, um neue Talente für unser Unternehmen zu gewinnen?
  • Wie können wir unsere Innovationsfähigkeit steigern und systematisch im Unternehmen verankern?
  • Wie können wir Nachhaltigkeit strategisch einbetten und unser Geschäftsmodell oder Teile davon entsprechend wandeln?

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, trainiere ich Teams in Innovationshandwerk, u.a. eine weiterentwickelte Form von Design Thinking. Darüber hinaus ko-kreiere ich mit meinen Kunden Innovationsstrategien und begleite sie in der Umsetzung.

Der Fokus liegt dabei immer auf dem Thema Nachhaltigkeit (Sustainable Business Innovation), weil ich zukunfts-fit mit klima-fit gleichsetze und fest davon überzeugt bin, dass Unternehmen ein Schlüssel für nachhaltige Entwicklungen sind. Ein Unternehmen, das nicht gleichermassen zugunsten von uns Menschen, unserer Umwelt und der Wirtschaftlichkeit («people, planet, prosperity») innoviert, wird rasch an Wettbewerbsfähigkeit einbüssen.

Design Thinking ist eine agile Kollaborationsmethode für kreative Problemlösung. Die bekannteste Form stammt von der kalifornischen Stanford Universität und wird für Produkt-, Dienstleistungs- und Prozessentwicklung bei grossen und kleinen Unternehmen weltweit eingesetzt. Design Thinking ist immer nutzer:innenzentriert, prototypen-getrieben, kreativ / spielerisch und iterativ. Die Vorteile sind u.a. dass Design Thinking einen Innovationsprozess effizienter machen kann, die Nutzer:innen besser einbezieht und die Arbeitskultur verbessert.

Warum sollten Unternehmen jetzt in Innovation investieren?

Ich bin davon überzeugt, dass Unternehmen gerade in Krisenzeiten langfristige Vorteile für sich und ihr Umfeld schaffen können. Leider verharren viele Unternehmen ohnmächtig im Stillstand und stoppen Innovations-Initiativen oder gehen diesen gar nicht erst an. Ob Klimakrise, Inflation, Volatilität in Lieferketten, … –als Unternehmen sollte man sich immer fragen «wie kann ich meine Innovationsfähigkeit dazu einsetzen eine bessere Realität mitzugestalten und einen Nutzen für die Gesellschaft, die Umwelt und nicht zuletzt meine eigene Profitabilität stiften?» Wer gestärkt aus einer Krise finden möchte, muss sich mit Innovation im eigenen Unternehmen befassen und darin investieren.

Was bedeutet Geld für dich?

Für mich persönlich ist Geld ein Tool, ein Werkzeug. Es ermöglicht mir Unabhängigkeit und Freiheit. Und es lässt mich dadurch den Projekten nachgehen, die mich persönlich bereichern und mit denen ich einen echten Impact haben kann. Geld ist auch ein wichtiger Messwert, sollte aber nicht der einzige sein, mit dem man Resultate bewertet. Viele geniale Innovationen wurden nicht-monetär incentiviert und durch eine offene Community erarbeitet. Der dabei entstandene Wert war dann in gewissen Fällen nicht direkt durch finanzielle Kennzahlen oder einen Frankenbetrag messbar, sondern schlug sich bsp. in eingesparten CO2-Emissionen nieder. Die Bedeutung des Geldes hängt davon ab, wofür wir es als Wirtschaft und Gesellschaft einsetzen. z.B. für Renaturierung anstelle von Umweltzerstörung. Ich gehe daher der spannenden Frage nach, wie wir Wachstum erreichen oder definieren, ohne dem Planeten zu schaden und weniger Ressourcen einzusetzen.

Wir leben in unsicheren Zeiten. Wie können Unternehmen mit Veränderung und zunehmender Komplexität umgehen?

Es beginnt beim richtigen Mindset: Wird alles als Bedrohung und Hürde oder eher Chance wahrgenommen? Letzteres ist das, was einem aus dem Krisenmodus ausbrechen lässt. Komplexität sollte als Adrenalin für Innovationen gesehen werden. Resiliente und wendige (agile) Unternehmen gibt es da, wo es veränderungsfreudige Mitarbeitende und Führungskräfte gibt. Agilität (im Gegensatz zu einem linearen Vorgehen) macht immer dann Sinn, wenn wir es mit Komplexität zu tun haben. Anstatt immer eine Lösung für ein Problem zu suchen, sollten Unternehmen neue Zukunftsrealitäten für sich definieren und darauf hinarbeiten. Zukunfts-Skills wie Innovationshandwerk haben, richtig verankert, eine grosse Hebelwirkung auf die Organisationskultur und -prozesse. Sie lassen Unternehmen stark den unsicheren, komplexen Veränderungen entgegentreten und sich diese zunutze machen.

Du sprichst in deinem Podcast mit verschiedenen Gästen über Leadership. Was hast du persönlich aus den verschiedenen Episoden gelernt?

Ich interviewe Unternehmer und andere ‘Macher’ zum Thema Verantwortung im Umgang mit Innovation angesichts des Klimawandels. Da ich erst im November 2021 damit gestartet bin, ist es noch etwas früh für ein Fazit. Was ich aber bislang als Learning mitnehmen durfte, ist, dass Leadership sich nicht auf eine «Chef-Figur» bezieht. Vielmehr geht es um eine Gruppe von Menschen, eine Community, die etwas bewirken möchte. Sowohl in einem Start-Up, wie auch bei grösseren, etablierten Organisationen. Weitere wiederkehrende Muster rund um ‘Responsible Leadership’ sind: Sich selbst nicht so ernst nehmen und dafür den Fokus auf das gemeinsame Ziel legen, den Weg als Ziel sehen und sich nicht unterkriegen lassen, kreativ und spielerisch an ein grosses komplexes Thema rangehen und bereit sein, mitten im Prozess umzudenken und die Richtung anzupassen.

Was kann ich als einzelne Person in einem Unternehmen zur Nachhaltigkeit beitragen? Wie argumentiere ich beispielsweise beim Management für mehr Nachhaltigkeit?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten wie man als Mitarbeiter Einfluss nehmen kann. Natürlich hängt das ein wenig von der jeweiligen Organisation ab, aber hier sind ein paar Ideen, um damit zu starten:

  • Mach dich schlau. Es gibt ganz viele tolle Organisationen wie den Impact Hub, die zum Thema Nachhaltigkeit und Klimakrise aufklären. Oft geht das auch recht spielerisch. Ich habe selber erst eine Ausbildung als Instruktorin eines Klima-Spiels absolviert und gebe mein Wissen gerne weiter. Auch in meiner 42hacks Community sind interessierte Leute herzlich und kostenlos willkommen, um zu lernen und mitzudenken.
  • Bilde eine Gruppe mit Gleichgesinnten. Tauscht Ideen aus und motiviert euch gegenseitig, diese anzupacken.
  • Schaffe Bewusstsein im Unternehmen ohne «Zeigefinger im Gesicht» des Gegenübers. Sei dir im Klaren, dass die meisten Menschen keine Veränderung mögen und schon gar nicht auf etwas verzichten wollen. Betrachte daher Nachhaltigkeit als Chance neue Wege zu gehen, etwas zu verbessern und kritische Fragen zu stellen (z.B. beim Abfallmanagement im Unternehmen, dem Widerverwenden von Ressourcen, oder in der Entwicklung neuer Produkte).
  • Walk the Talk: Geh mit gutem Beispiel voraus und begeistere andere mitzumachen. Zeig vor, wie einfach es sein kann den eigenen CO2-Fussabdruck zu messen und im Alltag zu reduzieren.
  • Such das Gespräch mit der Geschäftsführung und liefere handfeste Argumente mit Praxisbezug, die dir Gehör verschaffen. Schaue bsp. was andere Unternehmen in eurer Branche in Bezug auf Nachhaltigkeit vormachen, informiere dich über Klimarisiken und andere Trends, von denen dein Unternehmen betroffen sein kann, belege und beziffere Fakten wie Einsparungen und Potenziale mit guten Quellen und vor allem, lass deinen Enthusiasmus für das Thema in deinem Pitch spürbar rüberkommen.

Kurz und Knapp:

  • Investieren oder Sparen?
    Verantwortungsvoll Investieren
  • Krypto oder ETFs?
    ETFs
  • Selbständigkeit oder angestellt sein?
    Selbständigkeit

Sustainable Business Innovation ist ein Begriff, den Jessica für ihre Arbeit gewählt hat, die darauf abzielt, Unternehmen zukunftssicher, resilienter und agiler zu machen. Die Innovationsfähigkeit von Teams nachhaltig aufzubauen, zu stärken und in die Umsetzung zu begleiten, bieten für Organisationen oft unbekannte Chancen.

  • Firmen können schneller und treffender auf veränderte Kundenbedürfnisse eingehen und neue Marktsegmente erschliessen und das Geschäftsmodell oder Teile davon etwas leichter neu zu erfinden.
  • Gleichzeitig können Unternehmen positive Veränderung zum Wohle unserer Umwelt und Gesellschaft (Planet + People) und nicht ausschliesslich für höhere Umsätze (Profit) vorantreiben. Dies sichert ihnen langfristiges Bestehen, indem sie breiter abgestützt sind.
  • Nicht zuletzt zieht diese Art des verantwortungsvollen Handelns neue, insbesondere junge Fachkräfte und Talente an.

Das ist Jessica P. Schmid

Jessica bezeichnet sich als «Big Picture Thinker» mit Liebe zum Detail. Nebst ihrer selbständigen Tätigkeit als Innovation + Impact Strategin und Design Thinking Expertin, ist sie Mit-Gründerin der internationalen Community 42hacks. Dort gestaltet sie Open Innovation Formate und nutzt kollektive Kreativität, um klima-freundliche Lösungen im Transport-Sektor zum Thema grüne Mobilität zu erarbeiten.

Jessica ist Start-Up Coach bei der ETH Entrepreneur’s Club InCube Challenge wie auch bei F10.global, einem FinTech Incubator & Accelerator sowie Team-Mitglied beim Zürcher Start-Up dynesis.

Vor Kurzem machte Jessica die Ausbildung zum Climate Fresk Spiel-Facilitator und ist Mit-Autorin von Seth Godin’s neustem Buch «The Carbon Almanac: It’s not too late» (erscheint: Juli 2022, Portfolio, ISBN 0593542517), wofür sie u.a. ein Klima-Brettspiel für Kinder entwickelte.

Jessica hat einen Bachelorabschluss mit Auszeichnung in Design Management, International und einen Masterabschluss in Business Administration. Projekterfahrung sammelte sie in der Schweiz, in Deutschland, Frankreich, England, Holland, China, im Libanon sowie in Indien.

Wenn Jessica mal nicht an Innovationen mitarbeitet, ist sie in der Natur anzutreffen, immer begleitet von ihrem Vierbeiner.

Nebst ihrer Website gibt Jessica auch immer wieder Einblicke in ihre Arbeit auf diesen Kanälen:

🎧 The Naturally Innovative Podcast

💻 Jessica auf LinkedIn

🥳 Jessica auf Instagram

 

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In der Kategorie #womensupportwomen stelle ich regelmässig Frauen vor, die ihr eigenes Business führen und den Schritt in die Selbständigkeit gewagt haben. Ich möchte somit einen kleinen Teil dazu beitragen, dass wir Frauen und gegenseitig unterstützen. Es gibt viele tolle Geschäftsideen, die es verdient haben, Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn du jemanden kennst oder selbst ein Business hast, dass in diese Kategorie passen würde, freue ich mich über deine Kontaktaufnahme.